Das Boot bekam sowas wie einen Boden

Wir waren das Rumgehüpfe zwischen den Spanten leid. Ein Boden musste her, und zwar so schnell wie möglich. Der große Raum, auch „das Aquarium“ genannt, bestand früher mal aus einem Außen- und einem Innendeck, verbunden mit einer Tür. Durch einen zusätzlichen Stahlaufbau ist heute alles ein riesiger Raum mit vielen Fenstern. Dass zwei ehemals verschiedene Bereiche zusammengelegt wurden, merkt man heute nicht nur daran, dass die unterschiedlichen Fensterkonstruktionen kein bisschen zusammenpassen, sondern auch, dass die beiden Böden 10 cm Höhenunterschied haben. „Pff, kann man ausgleichen“, haben wir gedacht, und uns an die Unterkonstruktion gemacht.

Schieflage

Als die Holzdielen probeweise draufkamen, wurde langsam klar: „Verdammt, der Boot ist schief.“ Jetzt nicht um einen Zentimeter oder so. Schief schief. Klar, könnte man natürlich alles ausgleichen – wenn man denn wüsste, was gerade ist. Wasserwaage? Das Boot liegt an Land und hat dadurch automatisch eine Schieflage. Den Abstand von Wand zu Wand messen? Nee, ist alles schief. Die Maurertechnik anwenden und mit nem Faden Abstände messen? Das klappt nur im Film und bei echten Maurern, aber nicht bei uns.

Möglichkeiten ausloten

Tobi und ich konferierten. Was waren die Optionen? A. Einen (unter Umständen sehr) schiefen Boden. B. Warten bis das Boot im Wasser ist und versuchen, den Boden dann auszurichten. C. Gar keinen Boden haben.

Qual der Wahl

C war kurze Zeit unser Favorit. Wir wählten aber trotzdem erstmal  Variante B. Das Boot kommt aber erst Ende April ins Wasser. „So lange können wir unmöglich hüpfen“, sagte ich. Wir entschieden uns dafür, erstmal die Türen für die Bodenluken zu bauen und diese lose auf die Unterkonstruktion zu legen.

Probesitzen

Nun stellte sich uns die Frage: „Wie groß müssen die jeweiligen Bodenluken sein?“ Dafür muss ich wissen, wo nachher welche Möbel in etwa hinkommen. Eine Eckcouch nimmt ganz anders Platz ein als ein Zweiersofa. Und so fand ich mich wenige Zeit später, ohne Boden oder Wände im Boot zu haben, in Ikea wieder und maß alle verfügbaren Schlafsofas penibel aus, inkl. Probesitzen. Die Ikeaverkäuferin war begeistert und machte mit. Armlehnen müssen sein, Ecksofa nein, Liegefläche für zwei wäre gut, 1,60 m breit ist ok, nee, 1,70 m breit ist zu viel.
Am Ende des Tages hatte ich keine Ahnung, welches Sofa ich nehme, aber dafür wusste ich in etwa, wie groß die Bodenluken sein müssen.

Ausflug

Wir bekamen Besuch. Linda kam vorbei und nahm mich zuallererst mit auf einen Ausflug. Wir fuhren zum Hof, auf dem sie arbeitet, um Lämmer zu gucken, die in der Nacht vorher geboren waren, und ich zerfloss vor Entzückung.

Geschraube

Nachdem wir uns wieder gesammelt hatten, ging es zurück an die Arbeit. Latten zusammenschrauben, abmessen, zusägen, mehrmals fluchen, weil die Türen mehrmals zu breit geworden ist, also mehrmals wieder eine Latte abnehmen, wieder alles verschrauben und die Türen verkehrt herum auf die Unterkonstruktion legen, damit die obere Seite zum lackieren sauber bleibt.

Läuft bei uns

Et voila, haben wir einen Boden. Also noch nichts ganz. Für die Schlafcouch wäre es vielleicht nicht zu früh. Aber man kann vorerst drauf laufen. Das Rumgehüpfe hat ein Ende!