Wie das Boot Farbe bekam

Blau

Das Boot war blau, als ich es kaufte. Königsblau. Ist schön, aber nicht meins. Marineblau ist ok, Petrolblau ist top, Türkisblau wunderschön. Aber Königsblau? Nicht wirklich meins. „Ich muss dringend das Boot streichen,“ sagte ich. „Wir haben noch keinen Boden im Boot,“ sagte Tobi, „und die Elektrik muss auch noch gemacht werden.“ „Aber das Boot ist blau,“ sagte ich.

Farbtabellen

Das Unterwasserschiff wird schwarz. Das war schnell entschieden. Aber das Überwasserschiff? Rot, Grün oder doch Himbeerfarben? Nach unzähligen Meinungsumfragen im Freundeskreis fiel die Wahl erst auf Grün, dann auf Rot und dann wieder auf Grün. Bevor sie womöglich noch auf Himbeerfarben fiel, erklärte ich die Umfrage für beendet, suchte mir im Internet den passenden RAL-Ton raus und bestellte grüne Bootsfarbe. Und das gleich in einem Fünf-Liter-Eimer. Klotzen statt kleckern und so..

Web vs. Reality

Sagen wir mal so: Mir eine Farbe im Browser anzuschauen und sie daraufhin für ein 13-Meter-Boot in real life zu bestellen zählt nicht unbedingt zu den Sternstunden meiner handwerklichen Bootsbaukarriere. Im Web sah das Grün aus wie ein Bierflaschengrün. Als ich den Farbeimer aufmachte, sah ich ein Armeegrün. Und davon gleich fünf Liter. Ich fing kurz an, Königsblau zu mögen.

Farbtherapie

Eins stand fest: Die Farbe konnte ich nicht zurückgeben. Also fing ich an, das Boot probehalber damit zu streichen – nur mal so, um zu gucken.

Ich weiß nicht, was das für ein Effekt ist: Jede Farbe erscheint irgendwie schön, wenn man sie gerade streicht. Vielleicht weil sie dann so hübsch glänzt oder so. Jedenfalls fand ich Armeegrün beim Streichen zuerst gar nicht mal sooo übel, dann eigentlich ganz ok, und nach fünf Minuten war ich hin und weg. Und so strich ich das Boot, nicht ohne die Hilfe der großartigen Doritt, in mehreren Lagen & Etappen armeegrün. Und die Trittleiter versehentlich gleich mit.

Gemustert

Dunkelgrün oben, schwarz unten – das Boot sah ganz schön eintönig aus. „Wir brauchen gelbe Streifen,“ sagte ich. „Warum?“ fragte Tobi. „Na weil das Boot sonst armeegrün ist,“ sagte ich. Die Wahl fiel auf ein im Baumarkt sorgfältig ausgesuchtes Sonnengelb. „Streifen kann ich,“ dachte ich, klebte das Boot mit Kreppband ab und strich fleißig den Übergang zwischen Überwasserschiff und Unterwasserschiff gelb.

Als ich erwartungsvoll das Kreppband abnahm, verwandelte sich der vermeintlich haarscharf abgeklebte Streifen in eine kurvige, gelbe Flusslandschaft mit zahlreichen Nebenflüssen. Merke: Um Streifen abzukleben nie, nie, niemals Kreppband verwenden. Es sei denn, man mag fransige Ränder. In meinem Fall kam noch hinzu, dass der Untergrund durch die Nieten hubbelig und uneben war. Für die gelbe Farbe geradezu eine Einladung, in alle Richtungen zu verlaufen.

Kunstabteilung

Was tun also? Ich kaufte den dünnsten Pinsel, den ich im Baumarkt kriegen konnte („Ich suche ganz feine Pinsel.“ „Für Gemälde bitte in die Bastelabteilung!“) und malte damit die Kanten des Streifens sauber. 13 Meter Bootslänge x zwei Seiten x zwei Kanten macht 52 Meter Streifen mit einen Feinhaarpinsel nachkorrigieren. Am Liegeplatz ließ der Spott nicht lange auf sich warten.

Für kurze Zeit hatte ich mit dem Gedanken gespielt, oben auch noch Streifen hinzumalen. Zu meiner Verteidigung: Das war vor der Kreppbandbegegnung. Und vor dem Feinhaarpinsel. Danach bestellte ich nur noch Klebestreifen in gelb und weiß, die sich ruckzuck anbringen ließen, und, wie sich am nächsten Morgen herausstellte, in der Nacht teilweise auch ruckzuck wieder abgingen. Ist aber eine andere Geschichte. Vorerst hieß es: Et voilà, das Boot war gelb und weiß gestreift.

Greta

Das armeegrüne, gelb-weiß gestreifte Boot brauchte natürlich noch einen Namen. „Etwas Zeitloses wäre schön,“ dachte ich, und machte mich in Babyforen auf die Suche nach Mädchenvornamen. Greta und Agatha gefielen mir auf Anhieb, Iphigenie und einige andere Namen sortierte ich relativ schnell wieder aus. Am Ende hat Greta es mir angetan. Klassisch, passt zum Alter des Bootes. Greta. So heißt das Boot seitdem. Der Schriftzug hält übrigens wie Bombe.

 

 

Wie wir lernten, Rettungsringe zu bergen

Das Boot liegt in Liebenwalde. Ein wunderschöner Liegeplatz, direkt am Kanal. Aber auch ein weit entfernter Liegeplatz. Liebenwalde halt. „Ich will nicht mehr pendeln. Wir brauchen unbedingt einen neuen Liegeplatz“, sagte ich. „Okay“, sagte Tobi, „dann wären Strom und Wasser am Steg gut.“ Wir machten uns auf die Suche.

Spandau

Zwei Monate dauerte die Suche. Nach zu teuer, zu überfüllt, zu spartanisch und zu hässlich kam er dann schließlich: Der richtige Liegeplatz. Spandau. „Kann ich meine Katzen mitbringen?“ fragte ich. „Haben wir Strom und Wasser am Steg?“ fragte Tobi.

Im Februar

„Wann wollen Sie das Boot zu uns fahren?“ fragte der Besitzer nach unserem Handschlag. „Der Motor ist noch nicht angeschlossen“, sagte ich. „Wir haben gar keinen Führerschein“, sagte Tobi. „Anfang Mai ist prima“, sagte ich nickend. Es war Februar.

„Wir haben noch keinen Führerschein“, wiederholte Tobi. „Ach, das wird leicht“, sagte ich, „ich melde uns mal wo an.“ Die Wahl fiel auf Skili Wassersport. Auch in Spandau. Ging schnell mit dem neuen Lokalpatriotismus.

Von Vorfahrt und Explosionen

Zuerst hatten wir drei Abende Theorie. Vor welchen Booten habe ich mit dem Motorboot Vorfahrt? Vor keinen. Darf ich mich einem Boot mit explosiven Gütern nähern? Lieber nicht. Wo steht all das drin? In der Binnenschifffahrtsstraßenordnung, Teil II. Wir schrieben alles sorgfältig mit.

Bergungsmanöver

Dann kamen die Praxisstunden. „Könnt ihr alle Kommandos?“ fragte uns unser Fahrlehrer? Tobi nickte vorsichtig. Ich fing schnell an, nach Taschentüchern in meiner Tasche zu kramen. Dann durften wir fahren. Wir verwechselten Vorwärts- mit Rückwärtsgang (Tobi), überfuhren Rettungsbojen, die wir eigentlich bergen sollten (ich) und verfluchten die Gangschaltung, weil wir nie wussten, ob wir im Leerlauf waren.

Sechs Fahrstunden und unzählige Kommandos später verabschiedete uns unser Fahrlehrer mit den Worten „Wir sehen uns dann übermorgen bei der Prüfung.“ Wir winkten und gingen schnell weg.

„Wir müssen unbedingt Theorie lernen!“ sagte Tobi. „Nee, Knoten lernen ist wichtiger“, sagte ich. Währenddessen brachten wir weiterhin fleissig alle Kommandos durcheinander. In zwei Tagen war Prüfung.

Ich knotete was das Zeug hielt, Tobi lernte alle Prüfungsbögen auswendig und wir versprachen uns gegenseitig, den Leerlauf nicht zu vergessen.

Prüfungstag

Am Prüfungstag selber war dann plötzlich alles easy. Die Gangschaltung war uns wohl gesonnen, das Wetter sowieso, die Boje ließ sich prima bergen und die Knoten konnten wir plötzlich wie aus dem Effeff. „Wozu wird der Kreuzknoten verwendet?“ fragte der Prüfer mich ab. „Um zwei Leinen gleicher Stärke zu verbinden“, sagte ich, „beispielsweise zwei Katzen.“ Der Prüfer guckte erst irritiert, dann nickte er und sagte ein knappes „Haben beide bestanden. Glückwunsch.“

Das Boot bekam sowas wie einen Boden

Wir waren das Rumgehüpfe zwischen den Spanten leid. Ein Boden musste her, und zwar so schnell wie möglich. Der große Raum, auch „das Aquarium“ genannt, bestand früher mal aus einem Außen- und einem Innendeck, verbunden mit einer Tür. Durch einen zusätzlichen Stahlaufbau ist heute alles ein riesiger Raum mit vielen Fenstern. Dass zwei ehemals verschiedene Bereiche zusammengelegt wurden, merkt man heute nicht nur daran, dass die unterschiedlichen Fensterkonstruktionen kein bisschen zusammenpassen, sondern auch, dass die beiden Böden 10 cm Höhenunterschied haben. „Pff, kann man ausgleichen“, haben wir gedacht, und uns an die Unterkonstruktion gemacht.

Schieflage

Als die Holzdielen probeweise draufkamen, wurde langsam klar: „Verdammt, der Boot ist schief.“ Jetzt nicht um einen Zentimeter oder so. Schief schief. Klar, könnte man natürlich alles ausgleichen – wenn man denn wüsste, was gerade ist. Wasserwaage? Das Boot liegt an Land und hat dadurch automatisch eine Schieflage. Den Abstand von Wand zu Wand messen? Nee, ist alles schief. Die Maurertechnik anwenden und mit nem Faden Abstände messen? Das klappt nur im Film und bei echten Maurern, aber nicht bei uns.

Möglichkeiten ausloten

Tobi und ich konferierten. Was waren die Optionen? A. Einen (unter Umständen sehr) schiefen Boden. B. Warten bis das Boot im Wasser ist und versuchen, den Boden dann auszurichten. C. Gar keinen Boden haben.

Qual der Wahl

C war kurze Zeit unser Favorit. Wir wählten aber trotzdem erstmal  Variante B. Das Boot kommt aber erst Ende April ins Wasser. „So lange können wir unmöglich hüpfen“, sagte ich. Wir entschieden uns dafür, erstmal die Türen für die Bodenluken zu bauen und diese lose auf die Unterkonstruktion zu legen.

Probesitzen

Nun stellte sich uns die Frage: „Wie groß müssen die jeweiligen Bodenluken sein?“ Dafür muss ich wissen, wo nachher welche Möbel in etwa hinkommen. Eine Eckcouch nimmt ganz anders Platz ein als ein Zweiersofa. Und so fand ich mich wenige Zeit später, ohne Boden oder Wände im Boot zu haben, in Ikea wieder und maß alle verfügbaren Schlafsofas penibel aus, inkl. Probesitzen. Die Ikeaverkäuferin war begeistert und machte mit. Armlehnen müssen sein, Ecksofa nein, Liegefläche für zwei wäre gut, 1,60 m breit ist ok, nee, 1,70 m breit ist zu viel.
Am Ende des Tages hatte ich keine Ahnung, welches Sofa ich nehme, aber dafür wusste ich in etwa, wie groß die Bodenluken sein müssen.

Ausflug

Wir bekamen Besuch. Linda kam vorbei und nahm mich zuallererst mit auf einen Ausflug. Wir fuhren zum Hof, auf dem sie arbeitet, um Lämmer zu gucken, die in der Nacht vorher geboren waren, und ich zerfloss vor Entzückung.

Geschraube

Nachdem wir uns wieder gesammelt hatten, ging es zurück an die Arbeit. Latten zusammenschrauben, abmessen, zusägen, mehrmals fluchen, weil die Türen mehrmals zu breit geworden ist, also mehrmals wieder eine Latte abnehmen, wieder alles verschrauben und die Türen verkehrt herum auf die Unterkonstruktion legen, damit die obere Seite zum lackieren sauber bleibt.

Läuft bei uns

Et voila, haben wir einen Boden. Also noch nichts ganz. Für die Schlafcouch wäre es vielleicht nicht zu früh. Aber man kann vorerst drauf laufen. Das Rumgehüpfe hat ein Ende!

 

Das Boot wärmt sich auf

Wir haben gefroren. Eine ganze Weile. „Ich komme nicht wieder, bis die Temperaturen über Null sind!“, schimpfte ich. Dann kam Weihnachten mit milden fünf Grad. „Prima“, dachten wir, „jetzt geht’s.“ Nicht mit meinem Stahlboot. Mein Stahlboot vergisst nicht, wenn die Wochen vorher kalt waren. Wir froren weiter.

Feuer

„Wir brauchen einen Kamin“, sagte ich. „Ein Kamin wäre schön“, sagte Tobi. Zu unserer Verteidigung, der wäre irgendwann ohnehin rein gekommen. Wahrscheinlich nachdem wir einen Boden eingebaut hätten. Aber so? Nun ja, wir froren.

Beratung

„Ein Ofen ist total schwer, den können wir nicht alleine tragen“, sagte Tobi. „Dieser hier wiegt nur 54 Kilo“, sagte erst Google und dann ich. Wir fuhren zum Baumarkt. Der Verkäufer war erst stutzig („Pff, keine Ahnung, wie man einen Ofen in ein Boot einbaut“), dann beratungsfreudig („Nehmen Sie das hier, vielleicht fackelt Ihnen das Boot dann nicht so schnell ab“) und am Ende sogar wagemutig („Da Sie ohnehin improvisieren, ist die Platte auch egal“). Tobi und ich packten unseren 54-Kilo-Ofen ins Auto und fuhren zum Boot.

Gewichtig

Wir bekamen Unterstützung. Severin besuchte uns an der Werft. „Hübsches Boot!“, sagte er. „Wir haben einen Kamin!“, sagte ich. „Wo?“, fragte er? „Im Auto“, sagte ich, „er wiegt aber nur 54 Kilo!“

Positionierung

Ohne Schornstein kein Ofen. Wo aber platziert man einen Ofen wenn alles noch im Rohzustand ist und man wenig Ahnung hat was nachher wohin kommt? Egal, wir mussten uns irgendwie auf einen Platz festlegen. Wir froren.

Nachdem der Ofen auf einem behelfsmäßigen Boden gestellt wurde und jeder von uns mindestens einmal dran gerüttelt und geschoben hatte, bis wir alle zufrieden waren, stand die Stelle fest. Die Decke bekam erst vier Bohrlöcher, dann mit der Stichsäge einen kreisrunden Ausschnitt und das Boot endlich einen Schornstein.

Kleinigkeiten

„Juchuu, lasst uns den Ofen anmachen!“ freute ich mich. „Auf jeden Fall!“, sagte Severin. „Hat jemand ein Feuerzeug?“, fragte Tobi. Ja, es scheitert manchmal an den kleinen Dingen..Da wir weder Sonne noch eine Lupe hatten, beschlossen wir, den Kamin erst beim nächsten Mal anzumachen.

Wetterfest

Obenrum war das Rohr noch ziemlich nackt. „Eine Regenhaube gab’s im Baumarkt nicht“, sagte ich schulterzuckend, „muss ich erst bestellen.“ „Mit irgendwas müssen wir das Rohr aber abdecken, sonst regnet es rein.“

Knisternde Wärme

Gestern wurde der Kamin endlich eingeweiht – nachdem ich extra das Feuerzeug eingepackt hatte. Seitdem raucht er und knistert und spendet wohlige Wärme, genau so wie es sein soll. Alles ist gut.

PS. Selbstverständlich habe ich vorher den Eimer abgenommen! Danke Tobi für die kleine Erinnerung.

 

Unterkonstruktion

Nachdem ich mich wochenlang in die Theorie eingelesen hatte, wagten Tobi und ich endlich den Sprung ins kalte Wasser: Wir fingen an, endlich zu bauen. Nicht ohne vorher eine Runde durch gefühlt alle Baumärkte Berlins gemacht zu haben, bis wir das passende Holz gefunden hatten. Zunächst einmal musste eine Unterkonstruktion her, auf den wir nachher den Dielenboden schrauben können. Da es im Boden der Fahrerkabine, zwischen dem vorderen und dem hinteren Teil, eine kleine Stufe mit ca. 10 Zentimetern Höhenunterschied gibt, haben wir schweren Herzens beschlossen, diese auszugleichen, auch wenn nachher 10 Zentimeter weniger Deckenhöhe ordentlich was ausmachen.

Tag 1 unserer Arbeit also: es wurde fleißig gesägt, geschraubt und gewerkelt. Bis, ja bis die Kälte kam. Seitdem ruhen die Arbeiten. Unter Null Grad Außen- und Innentemperatur machen eeeecht keinen Spaß. Es bleibt also spannend, wann die Temperaturen über den Gefrierpunkt und wir wieder in die Arbeit einsteigen.

Aller Anfang

Seit meinem Studium habe ich nicht mehr so konzentriert gelesen und so viel Neues gelernt. Über Boote, unterschiedliche Baumaterialien, dass man mit Campingmatten Wände dämmen kann und dass es nicht den einen richtigen Weg gibt, um ein Boot auszubauen. Nach Rom führen offensichtlich viele Wasserwege.

Campingausrüstung

Durch das Stöbern in den Foren hatte ich jeden Tag neue Ideen, bspw. woraus ich den Boden bauen kann (Holzzuschnitt?), wohin die Dusche kommt (hinten links?) und wie ich am besten die Wände isoliere. Campingmatten, die Aldi jedes Jahr im Frühling im Angebot hat, sollen sich wohl ganz wunderbar zum Dämmen eignen, sagt das Internet. Wir haben Dezember. Wo zum Teufel kriege ich denn jetzt Aldi-Isomatten her?

Planung und so

Irgendwann rauchte mir der Kopf. Ein Projektplan musste her! Was ist wichtig, worum kann ich mich später kümmern? Klar ist: Ohne Boden kann ich nichts anderes im Boot machen. Immer zwischen den Spanten hin- und her zu hüpfen verbrennt zwar Kalorien, ist aber langfristig auch keine Lösung. Also muss ein Boden her. Um die Campingausrüstung kümmere ich mich später.

Spontankauf

Ich mag Boote. Schon immer eigentlich. Ich mag es, auf dem Wasser zu sein und auch mit Mücken habe ich keinen Zwist. Dass ich mir mal ein 13-Meter-Stahlboot kaufen würde, damit hätte ich trotzdem nie gerechnet. Klar hatte ich immer wieder mal über ein Leben auf einem Hausboot nachgedacht, aber es nie ernsthaft in Erwägung gezogen.

Irgendwann stöberte ich im Kleinanzeigenportal nach Booten und war überrascht, wieviele Angebote es gab. Ich stellte eine E-Mail-Benachrichtigung für neue Anzeigen ein, und schließlich, als ich auf eine interessante Anzeige stieß, vereinbarte ich zögerlich einen Besichtigungstermin.

Partystimmung

Am Abend vor der Besichtigung war ich mit Freunden auf einer Party. „Ich schaue mir morgen ein Boot an,“ sagte ich. „Warum?“ fragten meine Freunde. „Stellt euch vor, ich hätte dann ein Hausboot,“ sagte ich. “ Ich komm mit!“ sagte Tobi.

Erster Besichtigungstermin

Völlig müde von der Party trafen wir uns am nächsten morgen und fuhren raus zu Besichtigung. Das Boot war toll, richtig toll. Ein Stahlverdränger mit einem langen Deck und unten genug Platz zum Wohnen. Es lag im Wasser und bot einen wunderschönen Anblick auf den See. „Kann ich hier eine Dusche einbauen?“ fragte ich. „Funktioniert der Motor?“ fragte Tobi. Wir schauten uns alles in Ruhe an und baten um Bedenkzeit. Und ich dachte eine Woche lang über nichts anderes nach als das Boot.

Universum und Likör

„Wir müssen unbedingt auf eine Bootsmesse“ sagte ich, und googelte nach Messeterminen. Die nächste fand drei Tage später statt! In Berlin! Man muss schon zugeben, ich war machtlos. Das Universum hatte bei dem Bootskauf ganz schön seine Finger im Spiel.

Also machten wir uns exakt ein Woche nach der Besichtigung auf zur Messe. Nach einem langen Tag mit überraschend viel Inspiration, spannenden Gesprächen und einer ausgiebigen Likörprobe an einem der Stände fiel die Entscheidung: Ja, ich nehme das Boot. Und war dabei aufgeregt wir selten zuvor.

Später am Abend saßen wir beim Essen und diskutierten hitzig die nächsten Schritte. Plötzlich poppte auf meinem Handy die Kleinanzeigen-Benachrichtigung auf: Eine neue Anzeige war gerade veröffentlicht worden. „Schau mal“, sagte ich und hielt Tobi mein Handy. „Hmm, sieht eigentlich auch gut aus“, sagte Tobi. „Eine Besichtigung können wir ja noch machen.“

Mein Boot

Am nächsten Morgen fuhren wir erneut raus, dieses Mal nach Liebenwalde. Und ich sah mein Boot zum ersten Mal. Ein 80 Jahre altes Polizeiboot aus Stahl. Es war der Kracher! Aber auch eine riesengroße, monströse Herausforderung. Der Innenbereichen war entkernt und völlig leer, da war nichts drin. Das Boot bestand aus Rumpf und Deck mit Fenstern sowie einem funktionierendem Motor. Sonst nichts. Kein Boden, keine Wandverkleidung, keine Reling. Das Boot auszubauen würde der pure Wahnsinn werden. Ich kaufte es quasi von der Stelle weg.